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Ohne Rücksicht auf den Zeitgeist



Welch eine bittere Landschaft

Welch eine bittere Landschaft
kannn so ein Abend sein
wie schroff sind die Übergänge
der Mond scheint so sonderklein

Die Lieder sogar wolln nicht klingen
jeder Schritt geht vorbei
wird keiner ein Blümelein bringen
ich bin jedem einerlei

Welch eine bittere Landschaft
hab ich mir da gemacht
kein Halm wächst, kein Lied steigt zum Troste
für wen leb ich diese Nacht

Wer eilt nun her, um zu bleiben
gibt, was ich selber nicht gab
Frau Nachtigall könnte nicht heilen
was ich alls verwundet hab

Welch eine bittere Landschaft

arm, ohne Salz und Brot
und müßte,* und müßte nicht dorren
die Not kommt aus meiner Not

Gisela Steineckert, Vor dem Wind sein, Lieder S. 66
Verlag Neues Leben, Berlin 1980 DDR

* 1981 wurde  das Komma in diesem Satz nicht mehr gesetzt, Gisela Steineckert, Lieber September, S. 42 (und müßte und müßte nicht dorren)

Welche Fassung besser oder beabsichtigt ist (Setzfehler im Druck?), lässt sich nicht etwa durch sogenannte "Kommaregeln" klären, denn Kommas wollen (und sollen) auch das Lesen steuern; so z.B. eine Zäsur erzwingen.

 


Nachtrag:

Zur Frage, was Gisela Steineckert meint mit dem Satz "Frau Nachtigall könnte nicht heilen
was ich alls verwundet hab"
.

Dazu bietet sich nur an:


Buch der Lieder, Heinrich Heine (1827) - vertont Robert Schumann Opus 48 "Dichterliebe"

XXII.
Und wüßten's die Blumen, die kleinen



 




   Und wüßten's die Blumen,     die kleinen,
Wie tief verwundet mein Herz,
Sie würden mit mir weinen,
Zu heilen meinen Schmerz.

     Und wüßten's die Nachtigallen,
Wie ich so traurig und krank,
Sie ließen fröhlich erschallen
Erquickenden Gesang.


     Und wüßten sie mein Wehe,
Die goldnen Sternelein,
Sie kämen aus ihrer Höhe,
Und sprächen Trost mir ein.

     Die alle können's nicht wissen,
Nur Eine kennt meinen Schmerz;
Sie hat ja selbst zerrissen,
Zerrissen mir das Herz.