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Ohne Rücksicht auf den Zeitgeist

An Prof Hüther wegen Sahra Wagenknecht

24.08. 2010

Offener Brief von bibelpoint  an Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Institut der deutschen Wirtschaft Köln

Am 23.08. 2010 zeitgleich versandt an Prof. Dr. Hüther (IWKöln), Peter Hahne (ZDF), Sahra Wagenknecht (DIE LINKE)

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Hüther,

mit Entsetzen sah ich gestern die Sendung bei Peter Hahne auf ZDF.

Sie haben in der ganzen Sendung nichts weiter gemacht, als Frau Sahra Wagenknecht keinen halben, geschweige denn ganzen Satz aussprechen lassen.

Wie von Ehrgeiz völlig zerfressen hackten Sie lediglich umsich. Eine "Diskussion" ist das natürlich nicht. Wenn Sie sich zu einer solchen Diskussion bereiterklären, die unter der Maßgabe unterschiedlicher politischer Färbung zustandekam, müssen Sie schon den Anstand aufbringen, diese Prämisse als Grundlage zu akzeptieren. Dies aber ist Ihnen fremd und daher kam das zustande, was in meinen Augen -und sicher sehen das viele Zuschauer genauso- unterste Schublade ist: Nämlich offene Giftigkeit gegenüber anderen Denkansätzen, die wegen ihrer politischen Unkompliziertheit ein großes Wahrheitspotential aufweisen.

Da ließen Sie Frau Wagenknecht kein Wort aussprechen, Sie schlugen wild um sich wie ein aufgeregter Hahn, der von Anstand, Rhetorik im Sinne der Auseinandersetzung mit anderen Positionen noch nie etwas gehört zu haben scheint.

Da wird man das Gefühl nicht los, dass Sie glauben, Ihre Titel berechtigen Sie zu einer solchen Art oder -noch schlimmer- Ihre Titel ersetzen die allenthalben gebotene Achtung vor Diskussionspartnern.

Ihre Schläge auch unter die Gürtellinie (primitive Anspielungen gegenüber Sahra Wagenknecht auf das DDR-System) waren abstoßend und zeigen nur, dass Sie noch lernen müssen, anders mit Menschen umzugehen.

Erstaunlich, dass Peter Hahne das permanent so laufen ließ und außer seinem üblichen Lachen nichts ernsthaftes unternahm, um das abzumildern.

Das enttäuscht mich als Christ besonders, grade von Peter Hahne hätte ich das nicht erwartet.

Es ist primitiv darauf zu bauen, dass eine Politikerin wie Sahra Wagenknecht sich nicht so aufführen kann wie Sie, wohlwissend dass die meisten Zuschauer das als Aufgeregtheit einer systemkritisch engagierten Person werten würden.

Sie dürfen das aber. Schade. Abstoßend.

Nun will ich Ihnen nicht verschweigen, dass ich Ihnen das als Ehemaliger politischer Häftling der DDR schreibe (gerichtlich rehabilitiert und behördlich anerkannt; 4 1/2 Jahre). Nur dass Sie nicht denken, ich wäre lediglich ein Sympathisant von Sahra Wagenknecht.

Solche Menschen wie Sie haben mir seit meinem Grenzübertritt 1981 die freiheitlich demokratische Grundordnung verleidet und mir die Augen geöffnet für das Wesen des Kapitalismus in seiner realen Erscheinungsform.

Wie wäre es gewesen, zumindestens Frau Wagenknecht als lieben Menschen, als Frau wahrzunehmen und sich allein deshalb etwas zu benehmen anstatt sich wie ein Rüpel aufzuführen?