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Ohne Rücksicht auf den Zeitgeist

Sünde wider den heiligen Geist?

Immer wieder werden Christen mit dem Begriff "Sünde gegen den heiligen Geist" konfrontiert; infolgedessen stellt sich die Frage, was denn "die Sünde gegen den heiligen Geist" eigentlich ist. Diese Frage hat dann höchste Priorität, denn es heißt:

Deshalb sage ich: Alle Sünden können den Menschen vergeben werden, selbst die Gotteslästerungen, die sie aussprechen. Wer aber den Heiligen Geist lästert, wird keine Vergebung finden.
Matt. 12,31 Luther 1984

Es ergibt sich von selbst, dass kein gläubiger Christ diesem Vorwurf verfallen will, da "keine Vergebung" in Aussicht gestellt wird.

Schauen wir uns zunächst den genauen Wortlaut der Bibelstelle an. Dort ist nicht die Rede von "Sünde gegen den heiligen Geist" sondern von "lästern".

Die griechischen Textvorlagen sprechen von βλασφημία (blasphēmía), also von Blasphemie (Lästerung).

Wir lesen in Wikipedia (Stand 03.10.2014):

Blasphemie (altgr. ἡ βλασφημία, τῆς βλασφημίας – blasphêmía – die ‚Rufschädigung‘, zusammengesetzt aus βλάπτειν – bláptein – ‚Schaden bringen‘, ‚benachteiligen‘ und ἡ φήμη – phếmê oder dorisch ἡ φάμα – pháma – ‚die Kunde‘, ‚der Ruf‘) bezeichnet das Verhöhnen oder Verfluchen bestimmter Glaubensinhalte einer Religion. Eine öffentliche, ärgerniserregende Beschimpfung Gottes wird als Gotteslästerung bezeichnet.
http://de.wikipedia.org/wiki/Blasphemie

Von expliziten "Sünden gegen den heiligen Geist" ist in der Bibel an keiner Stelle die Rede.


Es war auch eine unglückliche und falsche Entscheidung der Revisoren der Lutherbibel 1984, inform einer Zwischenüberschrift dem Gedanken der "Sünde wider den heiligen Geist" Raum zu geben:

Original "Luther 1984" Überschrift

Die Sünde gegen den Heiligen Geist

31 Darum sage ich euch: Alle Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben; aber die Lästerung gegen den Geist wird nicht vergeben. 32 Und wer etwas redet gegen den Menschensohn, dem wird es vergeben; aber wer etwas redet gegen den Heiligen Geist, dem wird's nicht vergeben, weder in dieser noch in jener Welt.


Diese Überschrift hat sich vielen Christen derartig eingebrannt, dass sich Christen schon gegenseitig damit drohen, dass diese oder jene Sünde als "Sünde gegen heiligen Geist" eingestuft werden müsse ...

Jetzt könnte jemand sagen: Was soll die Wortklauberei? Ob "Sünde" oder "Lästerung", das kommt doch aufs Gleiche heraus.

Dem muss widersprochen werden. Denn Jesus selbst sprach ja vorher von "Sünden und Lästerungen" die vergeben werden und schwenkt dann in diesem Satz ausdrücklich nur in das Wort "Lästerung" (βλασφημία) um; gerade deswegen ist es nicht gut, den Text so zu sehen, als meine Jesus mit dem Wort "Lästerung" auch nur lapidar  eine bestimmte Art von "Sünde".

Warum beginnt der Satz Matth. 12, 31 mit dem Wort "darum" (Elberfelder: "deshalb")? Weil das zuvor Gesagte aufzeigt, wohin Jesu Gedanke zielt!

Schauen wir uns deshalb einmal den Zusammenhang an und beleuchten den gesamten Kontext, also so, wie es sich bei ernster Bibelarbeit ausnahmslos gehört :

22 Da wurde ein Besessener zu Jesus gebracht, der war blind und stumm; und er heilte ihn, sodass der Stumme redete und sah. 23 Und alles Volk entsetzte sich und fragte: Ist dieser nicht Davids Sohn? 24 Aber als die Pharisäer das hörten, sprachen sie: Er treibt die bösen Geister nicht anders aus als durch Beelzebul, ihren Obersten. 25 Jesus erkannte aber ihre Gedanken und sprach zu ihnen: Jedes Reich, das mit sich selbst uneins ist, wird verwüstet; und jede Stadt oder jedes Haus, das mit sich selbst uneins ist, kann nicht bestehen. 26 Wenn nun der Satan den Satan austreibt, so muss er mit sich selbst uneins sein; wie kann dann sein Reich bestehen? 27 Wenn ich aber die bösen Geister durch Beelzebul austreibe, durch wen treiben eure Söhne sie aus? Darum werden sie eure Richter sein. 28 Wenn ich aber die bösen Geister durch den Geist Gottes austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen. 29 Oder wie kann jemand in das Haus eines Starken eindringen und ihm seinen Hausrat rauben, wenn er nicht zuvor den Starken fesselt? Erst dann kann er sein Haus berauben. 30 Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.

31 Darum sage ich euch: Alle Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben; aber die Lästerung gegen den Geist wird nicht vergeben. 32 Und wer etwas redet gegen den Menschensohn, dem wird es vergeben; aber wer etwas redet gegen den Heiligen Geist, dem wird's nicht vergeben, weder in dieser noch in jener Welt.

Nur wer diesen ganzen Text liest, sieht die Wurzel des Gedankens. Wer die selbst erlebte bzw. gesehene Kraft Gottes leugnet oder zerredet, dem wird nicht vergeben.

Für viele Menschen sind Worte wie "Gott", "Jesus" oder "Heiliger Geist" nichts als Phrasen und werden dementsprechend gelästert. Wer aber das Wirken des heiligen Geistes erlebt hat und dennoch verunglimpft, der lästert den heiligen Geist.

Dazu passen auch die Worte der Schrift:

Beispiel 1) Luther 1984

4 [Denn] es ist unmöglich, die, die einmal erleuchtet worden sind und geschmeckt haben die himmlische Gabe und Anteil bekommen haben am Heiligen Geist und geschmeckt haben 5 das gute Wort Gottes und die Kräfte der zukünftigen Welt 6 und dann doch abgefallen sind, wieder zu erneuern zur Buße, da sie für sich selbst den Sohn Gottes abermals kreuzigen und zum Spott machen.
Hebräer 6, 4-6

Beispiel 2) Gute Nachricht Bibel

4-6 [Denn] es ist unmöglich, Menschen, die Gott einmal mit seinem Licht erfüllt hat und die ihm dann den Rücken kehren, dahin zu bringen, dass sie sich Gott wieder zuwenden. Sie haben doch schon die Gaben des Himmels gekostet und den Heiligen Geist empfangen. Sie haben erfahren, wie zuverlässig Gottes Wort ist, und haben schon die Kräfte der kommenden Welt gespürt. Und dann haben sie trotzdem Gott den Rücken gekehrt und haben damit den Sohn Gottes noch einmal ans Kreuz genagelt, sich selbst zum Gericht, und ihn öffentlich zum Gespött gemacht.

Beispiel 3) Hoffnung für alle Bibel

4-6 Doch dies eine möchte ich euch jetzt noch sagen: Für alle, die Gott schon mit seinem hellen Licht erleuchtet hat, die an sich selbst erfahren haben, wie herrlich Gottes himmlische Gaben sind, und denen der Heilige Geist geschenkt wurde,  die Gottes gute Botschaft aufnahmen und dadurch etwas von der Kraft der ewigen Welt spürten, - für all diese Menschen ist es unmöglich, wieder zu Gott zurückzukehren, wenn sie sich bewusst von ihm abgewendet haben und ihm untreu geworden sind. Ihre Untreue würde nichts anderes bedeuten, als dass sie den Sohn Gottes noch einmal ans Kreuz schlagen und ihn dem Spott seiner Feinde ausliefern.

Alles was wir eben gelesen haben ist nicht erfüllt, wenn man mal anderer Meinung war oder einem Irrtum gefolgt ist oder eine schwache Phase hatte und sich etwas passiv in einer Art Hängematte des Glaubens ausgeruht hat.
Der Vorwurf Jesu lautete Blasphemie. Und Blasphemie ist nicht das, was andere hineininterpretieren, so wie es zum Beispiel Muslime und die katholische Kirche gern gemacht haben (durch "Um-die-Ecke-Denken*" wird ja in den Augen der Andern alles zur Gotteslästerung) sondern was tatsächlich Lästerung ist.

* Um-die-Ecke-Denken ist ein beliebtes Mittel; so wird das Sprechen über die Bibel oder das Bekenntnis zu Jesus, dem Sohn Gottes, zur Lästerung gegenüber Allah gemacht. Auch die Juden zurzeit Jesu neigten zu dieser Haltung: sie griffen entgegen dem Gesetz sofort nach den Steinen (nach der Devise: Was wir grade sehen/denken, reicht als Beweis) oder beschuldigten Jesus der Gotteslästerung, weil er sich als Sohn Gottes bezeichnete).
siehe Joh 10,36:

"wie sagt ihr dann zu dem, den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat: Du lästerst Gott -, weil ich sage: Ich bin Gottes Sohn?"

Resümee:

Es gibt also nicht "die Sünde gegen den heiligen Geist" sondern damit ist ganz einfach eine bewusste und auch nach außen deutlichgemachte Abkehr vom erlebten Gott (vom heiligen Geist) wider besseres Wissen gemeint.

Prediger, die das nicht verstanden haben, wundern sich. Denn sie deuten die Bibelstelle so:

Wer einen Witz über Gott erzählt, dem kann vergeben werden ...
Wer einen Witz über Jesus erzählt, dem kann vergeben werden ...
Wer einen Witz erzählt, wo der heilige Geist vorkommt (huuuuuuhhhhh), dem kann nicht vergeben werden ...

Das ist eine ganz falsche Sicht.

Auch ganz verkehrt ist folgende Sicht:

Es ist ernsthaft zu bezweifeln, ob es heute überhaupt noch möglich ist, die Sünde zu begehen, die nicht vergeben werden kann, da Jesus heute nicht mehr physisch auf Erden ist und Wunder tut.
...
Viele Menschen fragen sich ängstlich, ob sie die Sünde begangen haben, die nicht vergeben werden kann. Sogar wenn diese Sünde heute begangen werden könnte, wäre die Tatsache, daß jemand sich darüber Gedanken macht, ein Zeichen dafür, daß er sie nicht begangen hat. Diejenigen, die sich dieser Sünde schuldig gemacht hatten, waren in ihrem Widerstand gegen Jesus verhärtet und uneinsichtig. Sie hatten keine Gewissensbisse, ob sie etwa seinen Heiligen Geist beleidigen könnten und zögerten nicht, die Ermordung des Sohnes Gottes zu planen. Sie zeigten weder Reue noch Buße.

William MacDonald, Kommentar zum Neuen Testament (Gesamtausgabe), Bielefeld: CLV 1997, S. 81

Das Falsche an dieser Ansicht ist, dass der Autor ja gerade das Gegenteil aus der Bibelstelle herausliest indem er schreibt:

"Es ist ernsthaft zu bezweifeln, ob es heute überhaupt noch möglich ist, die Sünde zu begehen, die nicht vergeben werden kann, da Jesus heute nicht mehr physisch auf Erden ist ..."

Es ist doch gerade die Erfahrung des heiligen Geistes, die Jesus avisierte, als er die Unvergebbarkeit meinte. Dazu ist ja gerade nicht seine leibliche Anwesenheit nötig!

Ganz gut kann man die folgende Aussage eines Kommentators annehmen:

Jesus ist der verborgene Gottessohn - bis er in Herrlichkeit wiederkommt. Was verborgen ist, kann mißdeutet werden. Darum vergibt Gott die Lästerung seines verborgenen Sohnes. Wer aber den heiligen Geist lästert, muß zuvor den heiligen Geist kennen, d. h. selbst von ihm erleuchtet sein. Wer als Erleuchteter wissentlich und mit wirklicher Absicht den heiligen Geist lästert, erfährt keine Vergebung. Vgl. Hebr 6, 4 ff.

Gerhard Maier, Bibelkommentar Band 1, Matthäus-Evangelium, 1. Teil, Edition-C-Kommentar, Neuhausen:Hänssler-Verlag, 1983, S. 428f