Die Gründung der katholischen Gegenkirche und der Kampf Konstantins gegen das Urchristentum

Nachdem mehrere zehntausend Christen durch die römische Justiz hingerichtet worden waren, weil sie Gottes Gebote nicht brechen wollten oder nur weil sie ihren Glauben bekannten, sahen die römischen Staatsführer, dass das Christentum noch mehr erstarkt war und täglich neue Mitglieder gewann. Deshalb ging der römische Staat zum verdeckten Angriff über. Der Plan wurde alsbald ausgearbeitet und wurde so ausgeführt:

Zunächst wurden in allen Städten Gegenkirchen 1) gegründet und „Bischöfe" eingesetzt, die sich bei der Christenverfolgung in eifriger Weise besonders bewährt hatten. Diese wurden von der Verfolgung verschont. Danach erfand der römische Kaiser Konstantin im Jahr 313 eine Bekehrung und rief eine sogenannte „Religionsfreiheit" aus. Wie diese Religionsfreiheit aussah, werden wir hier beleuchten.


Mit blutbesudelten Händen durch die Christenmorde, ohne Reue, ohne Taufe und ohne göttliche Vollmacht lud er alle 1800 Bischöfe der damaligen christlichen (und gegenchristlichen) Gemeinden brieflich zu einem großen Treffen.

Dort wollte er sich als Lehrer und Oberhirte des Christentums aufspielen. Die Mehrzahl der Bischöfe dachte gar nicht daran, sich zu diesem „Konzil" in Nicäa einzufinden obwohl die gesamten Spesen von Konstantin übernommen wurden. Nur 300 Bischöfe 2) kamen, natürlich zumeist Bischöfe der Gegenkirche. In beispielloser Arroganz schmetterte Konstantin alle Anfragen und Bittschriften ab. Er verbrannte alle Papiere, ohne über sie zu reden. Vom 19. Juni bis zum 25. Juli des Jahres 325 pressten er und seine Gegenbischöfe dem Konzil unter tumultartigen Szenen seinen Willen auf, schrieben Irrlehre fest, exkommunizierten, sprachen Verbannungen aus, drohten mit Todesstrafen für den Besitz bestimmter Schriften 3), erzwangen Unterschriften. 4) (So schnell wie möglich wollte Konstantin die Trinitätslehre festschreiben, welche eine Irrform der biblischen Dreieinigkeit darstellt, um kurz danach die Irrlehre von der Mutter Gottes festzuschreiben.) Es ist bezeichnend für den Geist dieses Konzils, daß die meisten Bischöfe einen Monat länger in Nicäa blieben, „um an den Feierlichkeiten zum zwanzigsten Jahrestag der Thronbesteigung Konstantins teilzunehmen", wie Eusebius in „Leben Konstantins" (4,24) berichtet. Auch ist dort von „üppigen Gastmählern für die versammelten Bischöfe" die Rede, die Konstantin zu geben pflegte.

Konstantin hatte kein Interesse an der Wahrheit. Er schreibt bezeichnenderweise in einem Brief: „Mein Ziel war es, die unterschiedlichen Urteile unter allen Nationen, die die Gottheit verehren, zu einem Zustand der beschlossenen Einheit zu bringen, und zweitens, den gesunden Ton im Weltsystem wieder herzustellen..."

Die Gegenkirche maßte sich an, den Namen „Katholische Kirche" zu tragen.

Konstantin behielt sein Wohlwollen der -wie er sie nannte- „hochheiligen und katholischen Kirche" 5) vor. Die Gunst des Kaisers bewies sich in der Vergabe immenser Mittel. Im Jahr 313 verfügte er, „dass jene Güter (Räumlichkeiten und Grundstücke), welche der katholischen Kirche in den einzelnen Städten und an anderen Orten gehörten", aber bei Verfolgungen konfisziert worden waren, „alsbald den Kirchen zurückgegeben werden".

Bischöfe erhielten kaiserliche Schreiben, Ehrungen und Geldzuwendungen. 6) Er verfügte, den christlichen Klerus von allen Steuern zu befreien, stellte aber klar, daß dieses Privileg nur für „die Diener der rechtmäßigen und hochheiligen katholischen Religion" gelten solle. 7) Wer mit der Kirche Konstantins nicht einverstanden war, wurde mit verschärfter Besteuerung bedroht, wenn er sich der Gründung einer „häretischen" Kirche schuldig machte. In einer Erklärung Konstantins von ca. 323 heißt es:

dass

"der Genuß der hinsichtlich der Religion gewährten Privilegien ausschließlich Personen vorbehalten werden muß, welche die katholische Observanz ausüben. Es ist ferner Unser Wille, dass Häretiker und Schismatiker nicht nur von diesen Privilegien ausgeschlossen bleiben, sondern überdies durch mancherlei Zwangsabgaben gezügelt und belastet werden." 8)

In einem Rundschreiben vom Jahr 324 werden die katholischen Bischöfe aufgefordert, die Mittel für alle Bau- und Sanierungsarbeiten vom Staat zu nehmem und an Aufwand nicht zu sparen. Die entsprechenden Behörden hatten Weisung, „solchen Forderungen mit aller Bereitwilligkeit nachzukommen". 9)

Um die katholische Gegenkirche noch mehr zu stabilisieren - denn viele Christen durchschauten die seltsamen Vorgänge, es waren ca. die Hälfte aller Christen ! - wollte Konstantin den „häretische Sekten", wie er sie nannte, auf dem Wege der Gesetzgebung ein Ende bereiten. 10)

Er verhängte ein Versammlungsverbot, auch in Privathäusern, und erteilte ihnen die Auflage, ihre Kirchenbauten und was sie sonst an Immobilien besaßen, der katholischen Kirche zu übereignen". 11)

Diese Gesetzgebung gab natürlich dem Netz der katholischen Kirchengemeinden mächtigen Auftrieb. 12)

Das war also die neue Religionsfreiheit, die der Christenverfolgung ein Ende machen sollte! Christen wurden unterdrückt und verfolgt, Katholiken konnten ungestört ihre römisch - heidnischen Kulte pflegen und sie mit christlichen Namen schmücken und Gottes Gebote abschaffen, später sogar das Bibellesen verbieten.

Das Konzil in Nicäa hatte ein „Glaubensbekenntnis" hervorgebracht, das von den „Bischöfen" abgesegnet und von Konstantin selbst gebilligt worden war. Es wurde zur offiziellen Lehrnorm, zu der hinfort jeder Ja sagen mußte, der ein vollwertiges Glied der einzigen vom Kaiser anerkannten Kirche, der „katholischen", werden, sein oder bleiben wollte.13) Wer will denn hier weiterhin behaupten, die katholische Kirche sei die Urkirche!?

siehe auch Blandina - Lyon im Jahr 177

1 Christenverfolgung im Römischen Reich, Stöver S. 240
2 www. uni-protokolle.de; auch Kirchengeschichte des Eusebius
3 z.B. des Arius Schriften
4 Nur zwei ägyptische Bischöfe, Theonas und Secundus, weigerten sich konsequent, zu unterschreiben und wurden mit Arius nach Illyrien verbannt. (Eusebius)
5 Eusebius, Kirchengeschichte 10,6,4.
6 Ebd. 10,5,15-17 und 10,2,2. Mehr darüber: Thimothy D. Barnes, Constantine and Eusebius, Cambridge/Mass., London 1981, S. 208-227
7 Eusebius, Kirchengeschichte 10,7,1-2,10,6,1
8 Codex Theodosianus 16,5,1
9 Eusebius, Leben Konstantins 2,45-46; siehe Ramsay MacMullen, Christianizing the Roman Empire, A.D. 100-400, New Haven, London 1984, 43.59, ferner Barnes, siehe Fußnote 6, S. 224-260
10 siehe MacMullen, vergleiche Fußnote 9, 59-119; und Rodney Stark, The Rise of Christianity: A Sociologist Reconsiders History, Princeton 1996
11 Elaine Pageis, Beyond Belief. The Secret Gospel of Thomas; deutscher Titel: Das Geheimnis des fünften Evangeliums, C.H. Beck, S.175
12 siehe Virginia Barrus, The Making of a Heretic: Gender, Authority an the Priscillianist Controversy, Berkeley 1998, wo ein hochinteressantes Beispiel für die Hartnäckigkeit solcher christlicher Gruppen dokumentiert ist, die von katholischen „Christen" als verirrte Schafe angesehen wurden.
13 Elaine Pageis, Beyond Belief. The Secret Gospel of Thomas; deutscher Titel: Das Geheimnis des fünften Evangeliums, C.H. Beck, S.17

Konstantins Kirche