Glauben heißt Wissen!

16-10-2009

Immer wieder hören wir den flachen Spruch: Glauben heißt nicht Wissen! Übrigens auch aus pastoralen Kreisen. Hier verbinden sich zwei Denkfehler zu einer unseligen Symbiose.

Denn einerseits hat sich durch die permanente Sprachverfälschung -oder auch Sprachentwicklung- eine Auffassung entwickelt, dass "Glauben" im Sinne von "Vermuten" im Sinne einer Eventualität verstanden wird.

Beispiele dazu liegen auf der Hand.
Was gibts bei euch heute zu Mittag?
Lass mich überlegen; ich glaube Bratkartoffeln. [Ich glaube = bin mir nicht ganz sicher]

Wieviel Menschen leben auf der Erde?
Ich glaube 6 oder 7 Milliarden. [Ich glaube = weiß es nicht so genau]

Wohin fährst du nächstes Jahr in Urlaub?
Ich glaube, ich fahre nach Griechenland. [Ich glaube = bin noch nicht ganz sicher]

Resümee: Er glaubt, dass es Gott gibt. [Er weiß es nicht genau]

Die verkehrte Definition des Wortes "Glauben" hat sich recht fest eingebürgert. Die Bibel ist aber zu einer Zeit geschrieben worden, als noch kein Mensch diese verkehrte Definition benutzte!

Genau genommen hat das mit den 2000 Jahren nicht so viel zu tun. Denn auch unsere Sprache ist auf einer anderen Definition des Wortes "Glauben" aufgebaut.

Die deutlichsten Beispiele sind hier in der Jura zu finden:

- z.B. eine notariell oder amtlich bestätigte Beglaubigung wird verlangt

oder

- das Gericht hält die Aussagen des Zeugen für unglaubwürdig bzw. glaubwürdig

oder

- eine Person handelte auf Treu und Glauben

oder

- aufgrund der glaubwürdigen Bestätigung ...

Stellen wir uns vor, dieses Beispiele würden bei der Benutzung des Wortes "Glauben" nicht das Feste, nicht das Bestätigte im Hintergund meinen, sondern ein "Vermuten"oder "Mutmaßen", wie man in der BRD so gern sagt. Dann wären ja all diese Rechtsbegriffe völlig sinnlos gewesen.

Besonders die Umkehrung würde ganz abstrus. Würde nämlich ein Richter zum Angeklagten sagen: "Ich glaube Ihnen kein Wort", was würde er dann damit meinen, wenn"glauben" "vermuten" hieße?

Die Leute, die das Sagen haben, wissen das ganz genau; forcieren aber immer weiter die falsche Benutzung des Wortes "Glauben":

Als man vor 2000 Jahren den Begriff "Glauben" benutzte und in allen biblischen Schreiben verwendete, meinte man ausschließlich ein "festes Vertrauen auf Gott", dessen Existenz nicht zur Debatte steht, woran auch die Unsichtbarkeit Gottes nichts ändert. [Im Übrigen ist Gott nicht "unsichtbar", sondern wir können Gott nicht sehen, weil wir kein Organ dafür haben. Das ist ein wichtiger Unterschied!]